LAB NOTES #3 - Häufige Reinigungsfehler, durch die Oberflächen nicht wirklich sauber werden
Teilen
🧹 5 häufige Reinigungsfehler, die eine Oberfläche nicht wirklich sauber machen
Die Oberfläche glänzt. Es riecht gut. Sie sieht sauber aus.
Aber ist sie das wirklich?
Bei der Reinigung tappt man leicht in die Falle zu glauben: Wenn wir mehr Reinigungsmittel verwenden, kräftiger schrubben oder einfach „mit einem Lappen darübergehen“, dann wird die Oberfläche sicher sauber.
Die Realität ist etwas interessanter.
Effektive Reinigung bedeutet nicht einfach nur, was wir auf die Oberfläche sprühen, sondern auch, wie viel, wann, womit, wie und auf welcher Oberfläche wir es anwenden.
Wir haben fünf häufige Fehler zusammengefasst, die dazu führen, dass eine Oberfläche oft nur sauber aussieht – während die Reinigungstechnologie nicht unbedingt angemessen war.
---
1. ❌ Wir verwenden zu viel Reinigungsmittel
Das Prinzip „Viel hilft viel“ funktioniert auch beim Reinigen nicht.
Viele professionelle Reinigungsmittel sind Konzentrate. Der Hersteller legt diese für eine bestimmte Anwendungskonzentration aus, daher ist die richtige Verdünnung, wenn das Produkt verdünnt werden muss, nicht nur eine Kostenfrage.
Die Konzentration kann sich auf die Art der Anwendung, Rückstände und die Leistung des Produkts auswirken.
Auch die professionellen Richtlinien der CDC schreiben vor, dass konzentrierte Reinigungs- und Desinfektionsmittel gemäß den Anweisungen des Herstellers zu verdünnen sind.
Und es gibt noch ein häufiges Missverständnis:
Mehr Schaum bedeutet nicht unbedingt eine bessere Reinigung.
Schaumbildung ist eine Eigenschaft der Formulierung des Produkts. Die Reinigungseffizienz wird jedoch durch das Zusammenspiel mehrerer Komponenten und Prozesse bestimmt. Tenside spielen beispielsweise bei der Benetzung und der Schmutzentfernung eine wichtige Rolle, aber die Leistung eines Reinigungsmittels hängt nicht von einer einzigen Eigenschaft ab.
🧪 LAB FACT
Ein Reinigungsmittel arbeitet nicht deshalb gut, weil man „brutal viel davon“ nimmt.
Das Ziel ist die richtige Konzentration und die richtige Technologie.
Deshalb gibt es einen Unterschied, ob jemand das Mittel nach Gefühl dosiert oder präzise mit der vom Hersteller festgelegten Konzentration arbeitet.
---
2. ⏱️ Wir halten die Einwirkzeit nicht ein
Dies ist eines der häufigsten Missverständnisse:
Aufsprühen → sofort abwischen.
Fertig?
Nicht unbedingt.
Das Reinigungsmittel benötigt möglicherweise Zeit, um den Schmutz zu lösen, aufzuweichen, zu emulgieren oder anderweitig bearbeitbar zu machen.
Bei Desinfektionsmitteln ist das noch wichtiger.
Desinfektionsmittel sind auf eine bestimmte Kontaktzeit getestet. Das ist die Zeit, die das Präparat auf der Oberfläche verbleiben muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die Oberfläche muss während der vorgeschriebenen Zeit ausreichend feucht bleiben.
Wenn bei einem Desinfektionsmittel beispielsweise 5 Minuten als Kontaktzeit angegeben sind, wir es aber nach 20 Sekunden abwischen, haben wir nicht die gleichen Anwendungsbedingungen gewährleistet, für die die Wirksamkeit des Produkts nachgewiesen wurde.
Wichtig ist jedoch:
Nicht jedes Reinigungsmittel muss minutenlang auf der Oberfläche verbleiben.
Maßgeblich sind immer das Etikett und die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts.
🧪 LAB FACT
Das Chemikal ist kein Fastfood.
Es wird nicht dadurch fertig, dass wir es hetzen.
Die richtige Einwirk- oder Kontaktzeit ist Teil der Reinigungs- bzw. Desinfektionstechnologie.
---
3. 🧽 Wir versuchen, mit einem schmutzigen Tuch zu reinigen
Dies ist vielleicht der ironischste Reinigungsfehler:
Wir nehmen ein schmutziges Tuch und versuchen, damit die Oberfläche sauber zu bekommen.
Ein Tuch hat keine unendliche Kapazität zur Schmutzaufnahme.
Während des Gebrauchs kann es Schmutz und Mikroorganismen aufnehmen. Wenn wir mit demselben Tuch auf andere Oberflächen übergehen, können wir unter bestimmten Umständen nicht nur etwas von der ersten Stelle entfernen, sondern auch etwas auf die nächste übertragen.
Das ist keine bloße Theorie.
In einer Untersuchung reduzierte die Reinigung mit Mikrofasertüchern zwar insgesamt die Anzahl der Bakterien auf der verschmutzten Oberfläche, gleichzeitig wurde jedoch ein Teil der Bakterien auf die später gereinigten Oberflächen übertragen.
Die CDC empfiehlt daher im professionellen Umfeld die Verwendung frischer Tücher, das regelmäßige Wenden des Tuchs und dessen Austausch bei Bedarf. In Bereichen mit höherem Risiko kann für jede Zone die Verwendung separater Tücher vorgeschrieben sein.
Und noch etwas Interessantes:
Nicht alle Mikrofasertücher sind gleich.
Laboruntersuchungen zeigten erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Mikrofasertüchern bei der Entfernung von Schmutz und Mikroorganismen sowie bei der Menge an Schmutz, die wieder auf die Oberfläche zurückgeführt wurde.
🧪 LAB FACT
Die Aufschrift „Mikrofaser“ ist an sich kein Zauberwort.
Das Material, die Struktur, der Zustand, die Reinigung des Tuchs sowie die Frage, wo und wofür wir es verwenden, spielen alle eine Rolle.
---
4. 🧴 Wir verwenden für jede Oberfläche dasselbe Reinigungsmittel
Dies ist einer der bequemsten, aber fachlich oft problematischen Ansätze.
Küchenfett?
Dasselbe.
Kalk?
Dasselbe.
Glas?
Dasselbe.
Badezimmer?
Dasselbe.
Boden?
Naja... dasselbe.
Nur sind die Eigenschaften des Schmutzes und der Oberfläche nicht gleich.
Eine Fettschicht stellt ein anderes Problem dar als Kalkablagerungen. Und eine säureempfindliche Natursteinoberfläche verhält sich anders als eine Oberfläche aus einem völlig anderen Material.
Die Formulierung von Reinigungsmitteln muss daher an die jeweilige Aufgabe und Oberfläche angepasst werden. Die Präparate können beispielsweise Tenside, Lösungsmittel, Komplexbildner, Enzyme oder pH-regulierende Inhaltsstoffe enthalten, die die Reinigung auf unterschiedliche Weise unterstützen.
Ein gutes Reinigungsmittel ist nicht dasjenige, das alles angreift.
Sondern das, das den richtigen Schmutz auf der richtigen Oberfläche behandelt, ohne die Oberfläche zu beschädigen.
Daher kann beispielsweise ein anderer chemischer Ansatz für die Entfernung mineralischer Ablagerungen angemessen sein als für die Reinigung einer stark fettigen Arbeitsfläche.
Bei der Wahl des Reinigungsmittels sollte man also nicht nur fragen:
„Wie stark ist es?“
Sondern auch:
„Wofür wurde es entwickelt?“
---
5. 💧 Wir entfernen die Rückstände des Reinigungsmittels nicht korrekt
„Ich habe es abgewischt.“
Aber womit?
Und wie?
Und ist etwas auf der Oberfläche zurückgeblieben?
Das Ziel der Reinigung ist nicht, den Schmutz und das Reinigungsmittel einfach von einer Stelle zur anderen zu verschmieren.
Bei bestimmten Anwendungen ist das Entfernen von Reinigungsmittelrückständen besonders wichtig. Bei Desinfektionsverfahren kann beispielsweise nach der vorgeschriebenen Kontaktzeit – sofern die Gebrauchsanweisung dies vorschreibt – ein Abspülen erforderlich sein. Die CDC gibt hierfür konkrete Beispiele.
Bei anderen Oberflächen kann ein gründliches Abwischen ausreichen.
Die Quintessenz:
Es gibt keine allgemeine „Abwischregel“.
Die Gebrauchsanweisung des Produkts, die Oberfläche, der Anwendungsbereich und die Art des Reinigungsmittels bestimmen, ob ein Abspülen notwendig ist und wie die Rückstände zu entfernen sind.
Dies ist besonders wichtig an Orten, an denen die Oberfläche direkt mit Lebensmitteln in Berührung kommen kann oder wo chemische Rückstände unerwünscht sind.
---
🧪 Wie macht man es richtig?
Die gute Nachricht ist, dass die meisten Fehler nicht aufgrund eines geheimen Profi-Tricks entstehen.
Sondern eher deshalb, weil das Reinigen oft aus Routine geschieht.
Eine einfache Checkliste kann das Ergebnis schon stark verbessern.
1. Schau dir an, womit du es zu tun hast.
Welchen Schmutz möchtest du entfernen?
Fett? Kalk? Staub? Organischer Schmutz? Lebensmittelreste?
Identifiziere zuerst das Problem.
---
2. Schau dir an, was du reinigst.
Aus welchem Material besteht die Oberfläche?
Glas? Edelstahl? Kunststoff? Keramik? Lackierte Oberfläche? Naturstein?
Bei der Wahl des richtigen Reinigungsmittels spielen Schmutz und Oberfläche zusammen eine Rolle.
---
3. Verwende die richtige Konzentration.
Dosieren nicht nach Gefühl.
Wenn das Produkt verdünnt werden muss, halte dich an die vom Hersteller angegebene Verdünnung.
Mehr ist nicht automatisch besser.
---
4. Gib dem Produkt Zeit.
Wenn die Gebrauchsanweisung eine Einwirk- oder Kontaktzeit angibt, halte sie ein.
Bei Desinfektionsmitteln ist dies besonders wichtig, da der Wirksamkeitsnachweis an bestimmte Anwendungsbedingungen und eine Kontaktzeit geknüpft ist.
---
5. Verwende saubere, geeignete Werkzeuge.
Das Tuch sollte in einem guten Zustand sein.
Arbeite nicht mit demselben Tuch und derselben Oberfläche alles ab.
In größeren oder professionellen Bereichen können ein farbcodiertes Tuchsystem und regelmäßiger Austausch dazu beitragen, das Risiko einer Kreuzkontamination zu verringern.
---
6. Entferne den Schmutz – verteile ihn nicht nur.
Mechanische Arbeit ist ebenfalls Teil der Reinigung.
Das Reinigungsmittel kann den Schmutz lösen, aufweichen oder emulgieren, aber danach muss er von der Oberfläche entfernt werden.
---
7. Überprüfe zum Schluss die Oberfläche.
Nicht nur:
„Ist es schön?“
Sondern auch:
„Ist es wirklich sauber?“
Die visuelle Kontrolle ist wichtig, sagt aber für sich allein nicht immer alles über den Zustand der Oberfläche aus. Im professionellen Umfeld können daher je nach Risiko des Bereichs weitere Prüfmethoden angewendet werden.
---
🧪 LAB VERDICT
Effektive Reinigung wird nicht dadurch professionell, dass wir Unmengen an Chemikalien verwenden.
Sondern dadurch, dass wir wissen:
was wir entfernen wollen,
von welcher Oberfläche,
mit welchem Mittel,
in welcher Konzentration,
wie lange,
mit welchem Werkzeug,
und wie wir es zum Schluss entfernen.
Das ist kein einfaches „Abwischen“ mehr.
Das ist Technologie.
Und genau deshalb ist es nicht egal, welches Reinigungsmittel wir wählen.
**Gute Reinigung bedeutet nicht mehr Chemie.
Gute Reinigung besteht aus besseren Entscheidungen. 🧪**
---
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC) – Environmental Cleaning Procedures
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC) – When and How to Clean and Disinfect Your Home
- U.S. Environmental Protection Agency (EPA) – Selected EPA-Registered Disinfectants
- American Cleaning Institute (ACI) – About Cleaning Product Ingredients
- Bergen et al. – Spread of bacteria on surfaces when cleaning with microfibre cloths, Journal of Hospital Infection
- A laboratory evaluation of the decontamination properties of microfibre cloths – PubMed
- Assessing the efficacy of different microfibre cloths at removing surface micro-organisms associated with healthcare-associated infections – PubMed